Die Wirtschaft Islands

Islands Wirtschaft trägt sich zu einem Großteil über die Fischwirtschaft und das schon seit Jahrhunderten. Da die Insel arm an Bodenschätzen ist und auch die Landwirtschaft nicht wirklich viel hergibt, hat sich die Fischerei zur Haupteinnahmequelle des Landes entwickelt. Schon in früheren Jahrhunderten exportierte Island Fisch hauptsächlich in Form von Stockfisch (getrocknetem Dorsch) nach Großbritannien und das übrige Europa. Dabei lag der Schwerpunkt in der küstennahen Fischerei. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde zum ersten Mal eine Schutzzone von 32 Seemeilen eingerichtet, weil anno dazumal schon die Fischgründe drohten, zusammen zu brechen. Zwischenzeitlich hob man diese jedoch wieder auf, um zum Jahrhundertwechsel 1900 wieder eine Schutzzone von diesmal 3 Seemeilen festzulegen. Ende des 19. Jahrhunderts ging man vermehrt zur Hochseefischerei über. In den 1950er Jahren hob man die Schutzzone auf 12 Seemeilen an, da die Überfischung durch Einsatz modernster Fischereiausrüstung schon vorprogrammiert war. Ein erneuter Zusammenbruch der Fischbestände in küstennahen Gewässern in den 1970er Jahre bedingte die erneute Erhöhung der Schutzzone. Diesmal 50 Seemeilen – was Konflikte mit den Briten hervorrief, die mit der erweiterten Schutzzone nicht einverstanden waren. Dies führte zum ersten „Kabeljau-Krieg" zwischen Island und Großbritannien, der mit langwierigen Verhandlungen beigelegt wurde. Leider zeigten die 50 Seemeilen Schutzzone keinerlei Wirkung auf den Fischbestand, sodass 1975 die Zone auf 200 Seemeilen festgelegt werden sollte. Der zweite „Kabeljau-Krieg" folgte. Man einigte sich letztlich dann doch auf die 200 Seemeilen Schutzzone zum Wohle des gesamten Fischereiwesens Europas. Sie ist nun internationaler Standard und wird so gut wie überall eingehalten.

Dennoch erholten sich die Fischbestände nur sehr langsam, wodurch weitere Schutzmaßnahmen eingeführt werden mussten: In den 1980ern sollte das Quotensystem verhindern, dass einzelne Fischarten in ihrem Bestand gefährdet werden. Dafür wurde jedem Fischfangschiff gestattet, eine bestimmte Menge Fisch zu fangen. Bis heute funktioniert diese Methode recht gut, aber dennoch sind einige Fischbestände weiterhin bedroht und sollten vom Konsumenten nicht gekauft werden. Die Nachfrage bestimmt das Angebot, so hat jeder Konsument die Möglichkeit zu bestimmen, welche Fische gefangen werden und welche nicht.

Islands umgebende Gewässer sind sehr fischreich bedingt durch den warmen Golfstrom und den kalten Grönlandstrom, die hier aufeinandertreffen und für optimale ökologische Bedingungen sorgen. Das Wasser ist nahezu frei von Giftstoffen, die natürlich auch in den Fisch übergehen, der im Wasser lebt. So sind Islands Fische selbst auch schadstoffarm und können mit Genuss verzehrt werden. Rund 25 Fischarten werden hier gefangen, wobei der Kabeljau, Hering, Lodde, Blauer Wittling, Seebarsch, Schellfisch und einige Plattfische den Großteil des Fanges ausmachen. Diese werden nach Großbritannien und Deutschland exportiert und natürlich in die USA, der Nachbar auf der anderen Seite des Atlantiks.

Eine Schattenseite ist wohl der immer noch betriebene Walfang isländischer Fischereiunternehmen. Seit 1948 gibt es ein Internationales Übereinkommen zur Regelung des Walfangs nachdem man eingesehen hat, dass die Bestände nahezu aller Walarten stark bedroht waren. Die meisten Walfang-Nationen hielten sich an die Regelungen, in denen das Jagen einiger am stärksten bedrohter Walarten komplett verboten wurde. Auch Island hielt sich an die Regelungen bis 2006 die Regierung wieder Walfang mit Einschränkungen und einer strengen Auflage erlaubte. Viele Naturschützer, Isländer und vor allem auch treue Island-Touristen hat dies schockiert, denn eine sehr beliebte Touristenattraktion auf Island sind die Wal-Beobachtungs-Touren. Man fürchtet, dass die Wale deutlich scheuer werden und Walbeobachtungen nicht mehr möglich werden. Dies hätte fatale Folgen für den isländischen Tourismus generell und würde den zweiten wichtigen Wirtschaftszweig des Landes in ernste Gefahr bringen.

Der Tourismus ist gerade über die letzten Jahrzehnte zu einem wichtigen Wirtschaftszweig expandiert. Das Land hat nicht nicht viel zu bieten, außer seinem Fisch und der Geothermie. Und gerade letztere macht das Land zu einem beliebten Reiseziel vorwiegend für Briten und Kontinental-Europäer. Eine hochinteressante Landschaft, Springquellen, Lavaformationen, reißende Wasserfälle, viel unberührte Natur und darauf die berühmten Island-Pferde – das alles macht Island liebenswert und zu einem gerne besuchten Urlaubsland. Und natürlich die Wale, die man mit 100%iger Wahrscheinlichkeit auf einer der Schiffstouren sehen kann. Nahezu 400.000 Touristen besuchen Island jährlich inzwischen, Tendenz steigend. Vor allem mit dem kürzlichen Ausbruch des Eyjafjallajökulls (2010) wird erwartet, dass das den Tourismus nochmals ankurbelt.

Die Landwirtschaft in Island ist nicht wirklich bedeutend, denn der Großteil der Landesfläche ist entweder bedeckt von Lavafeldern, Aschewüsten, Gletschern oder Tundren, die landwirtschaftlich nicht genutzt werden können. Nur 2,3 % des Landes werden landwirtschaftlich genutzt, vorwiegend für Kartoffeln, Kohl und Rüben, denn das Klima ist nicht sehr verträglich für eher wärmeliebende Nutzpflanzen wie Getreide, Mais und die meisten Gemüsesorten. Anders sieht es der Nutztierhaltung aus, die einen Großteil der Einnahmen der Landwirtschaft ausmacht. Dabei ist die Schafhaltung und Milchproduktion ein bedeutender Einnahmefaktor. Geflügel, Fleisch, Eier und Milch sind also landwirtschaftliche Produkte, die Island nicht importieren muss. Importiert werden müssen hauptsächlich Obstsorten aller Art und Gemüsesorten, die wegen dem Klima nicht angebaut werden können, sowie Getreide. Teilweise werden Obst- und Gemüse in Gewächshäusern gezogen, die durch Erdwärme geheizt werden, aber die Pflanzen benötigen auch eine gewisse Menge an Sonnenlicht, um Vitamine zu bilden. Da Island 6 Monate im Jahr eher weniger Sonnenlicht zu bieten hat, ist die Gewächshauszucht auch nur bedingt möglich, also nur mit zusätzlichem Aufwand von spezieller Beleuchtung.

Neben Fisch wird hauptsächlich Aluminium exportiert. Die meisten Wasserkraftwerke sind angebunden an Siliziummetall- und Aluminiumproduktionsstätten. Da hierfür viel Strom benötigt wird, eignet sich Island mit seinen niedrigen Strompreisen besonders für diesen Wirtschaftszweig, obwohl der Rohstoff hierfür (Bauxit) von Australien oder Brasilien erst nach Island transportiert werden muss. Der Bau von Wasserkraftwerken, die lediglich dem Zweck dienen, eine Aluminiumhütte mit Strom zu versorgen, ist stark umstritten, da hierfür Staudämme errichtet werden müssen, deren Stausee große Teile der unberührten Natur unter Wasser setzen, wodurch Ökosysteme unwiederbringlich zerstört werden.