Reykjavík – Die Hauptstadt Islands

Im Südwesten der Insel liegt die Hauptstadt Reykjavík – Metropole des Landes und vermutlich erstes Ziel der meisten Islandreisenden.

Ein Drittel (ca. 110.000) der gesamten Landesbevölkerung lebt in der Hauptstadt. Die Stadt hat eine lange Geschichte, die auf den ersten Siedler Islands, Ingolfur Arnarson, zurückführt. Das einstige Fischerdorf wurde in den letzten 1000 Jahren zu einer pulsierenden Metropole mit einzigartigem Flair.

Im Zentrum von Reykjavík befindet sich der Stadtteich in einem kleinen Park an der Tjarnargata. Hier kann man ein wenig Natur tanken und sich vorstellen, wie es hier wohl vor 1100 Jahren ausgesehen hat, als die Stadt noch in ihren Kinderschuhen gesteckt hat.

Sehenswert ist der alte Friedhof, der aus dem Jahre 1838 stammt. Knapp 100 Jahre lang war dies der Hauptfriedhof der Stadt, dann waren alle Gräber belegt. Der Friedhof ist wegen seiner Abgeschiedenheit und Stille ein Anziehungspunkt für junge Paare, die allein sein wollen. Die alten Grabsteine und Denkmäler sind nostalgisch, reich verziert und lassen einen ein wenig in die Vergangenheit reisen. Hier liegt auch das Grab des isländischen Nationalhelden Jón Sigurðsson. Er hat sich im 19. Jahrhundert erheblich für die Unabhängigkeit des Landes eingesetzt und Außerordentliches geleistet.

Das Nationalmuseum befindet sich gerade gegenüber des Alten Friedhofs und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Der Rundgang ist modern gestaltet, mit vielen interaktiven Medien ausgestattet und bietet einen interessanten und umfangreichen Einblick in Islands Geschichte.

In der Innenstadt befindet sich die Aðalstræti, ein der ältesten Straßen der Stadt. Am südlichen Ende der Straße kann man eine archäologische Ausstellung besuchen. 2001 entdeckte man dort die Grundmauern eines alten Gehöfts, das vermutlich Ingolfur Arnarson, dem ersten Isländer, gehörte. Laut alter Aufzeichnungen hatte Ingolfur die aus Norwegen mitgebrachten Hochsitzpfeiler vor seiner Ankunft in Island ins Meer geworfen und den Göttern versprochen, dort seine Siedlung zu bauen, wo diese angespült werden. Die Pfeiler wurden in einer „rauchenden Bucht" angespült, in der Ingolfur dann wie versprochen die Siedlung baute. Noch heute trägt die Bucht und die Stadt diesen Namen – Reykjavík. Mit einer ebenfalls modernen Mediashow kann sich der Besucher in dieser Ausgrabungsstätte über die ersten Siedler informieren.

In der Nähe der Aðalstræti befindet sich er Platz Austurvöllur, auf dem sich eine große Statue des Nationalhelden Jón Sigurðsson befindet. Dieser blickt direkt auf das Parlamentsgebäude, welches im Jahre 1880 errichtet wurde. Beim Austurvöllur befindet sich auch der Dom (Dómkirkjan), der im Jahre 1769 erbaut und 1847 ergänzt wurde. Hinter dem Dom gelangt man in die Lækjargata („Bachstraße"). Hier floss zu Dorfzeiten ein kleiner Bach entlang, vom Stadtteich ins Meer, der im 19. Jahrhundert als Kanalisation diente. Als die Stadt jedoch stark zu wachsen begann, stank der Bach zunehmend, so dass er 1911 abgedeckt wurde. In der Nähe der Lækjargata befindet sich der Regierungssitz des Ministerpräsidenten. Erbaut wurde es im Jahre 1770, wo es zunächst als Gefängnis diente. Erst 1820 wurde das Haus zur Residenz des dänischen Gouverneurs. 1904 zog dann der erste einheimische Minister, Hannes Hafstein, ein. Vor dem Haus steht eine Statue dieses Ministers. Auf der anderen Seite des Eingangs befindet sich die Statue von Christian IX., dem dänischen König, der 1874 Island die erste Staatsverfassung übergab. Angeblich soll es in diesem Haus spuken.

Höhepunkt eines jeden Besuchs in Reykjavík ist wohl die Besichtigung des Wahrzeichens der Stadt: die Hallgrímskirkja (Hallgrimskirche). Mit seinen 74 m Höhe überragt der Turm der Kirche die meisten Häuser der Stadt. Der Bau wurde im Jahr 1986 abgeschlossen. Gewidmet ist sie dem religiösen Dichter Hallgrímur Pétursson, der im 17. Jahrhundert gelebt hat. Acht Jahre nach ihrer Vollendung erhielt die Kirche eine wunderschöne Orgel mit 5272 Pfeifen und einer Höhe von 15 m. Entworfen und erbaut wurde sie von einem Orgelbauer aus Bonn, Johannes Klais. In der Kirche werden nicht nur Gottesdienste abgehalten, sondern auch Konzerte. Vor der Kirche steht die Statue von Leifur Eiríksson, dem Wikinger, der im Jahr 1000 den nordamerikanischen Kontinent entdeckte, als er von Grönland aus übersetzte.

Sehenswert ist auch das Perlan – ein Gebäude in der Nähe des Flugplatzes Reykjavík, das um und auf riesige Heißwassertanks errichtet wurde. Die Tanks waren den Stadtbürgern ein Dorn im Auge, weil sie so riesig und unschön anzusehen waren. Der Architekt Ingimundur Sveinsson entwarf die riesige Kuppel und auch den Rest der Verschönerungen um die vier Tanks herum und eröffnete das fertige Gebäude im Jahr 1991. Von hier aus wird die Stadt mit Warmwasser versorgt und auch im Winter die Straßen beheizt. Die Kuppel ist nachts beleuchtet und soll den Sternenhimmel darstellen. Spiegel reflektieren den Nachthimmel und ebenso die hin und wieder auftretenden Polarlichter. In einem der Tanks befindet sich heute ein Saga-Museum. Man kann auf die Aussichtsplattform rund um die Kuppel mit einem Aufzug fahren. Von hier hat man eine wunderbare Aussicht auf die gesamte Stadt. Vor dem Museum befindet sich ein künstlicher Geysir, der alle paar Minuten mal ausbricht. Außerdem steht dort ein Kunstwerk aus vier Figuren, die wohl die Beatles darstellen sollen.

Es gibt natürlich auch jede Menge Museen in der Hauptstadt, die besichtigt werden können. Allen voran das Nationalmuseum, das nach umfangreichen Renovierungs- und Umbauarbeiten 2004 neu eröffnet wurde. Es gliedert sich in mehrere Abteilungen, die jeweils über 200 Jahre berichten, beginnend in der Spanne 800 bis 1000, in denen die Besiedlung des Landes stattfand. Das Árbæjarmuseum ist ein Freilichtmuseum und ist ebenfalls sehr sehenswert. Hier kann man 30 Häuser und Hütten aus dem 19. Jahrhundert besichtigen, die allesamt noch ihre Innenausstattung besitzen. Ein Besuch in der Nationalgalerie (Listasafn) lohnt sich. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude als Eishaus erbaut, wo Fische konserviert wurden. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Gebäude dann zum Museum umgebaut und mit einem Neubau versehen. Alle halbe Jahre werden hier Werke von vorwiegend isländischen Künstlern ausgestellt. Außerdem gibt es immer wieder Wechselausstellungen mit bestimmten thematischen Schwerpunkten. Dies ist nur ein kleiner Ausblick der Museen in der Hauptstadt des Landes. Aber es können noch zahlreiche weitere Museen an regnerischen Tagen besucht werden.